Lebensmittel online kaufen: Das Geschäft boomt weltweit 0 898

Immer mehr Menschen kaufen ihre Nahrungsmittel bei Rewe, Edeka und Co. online ein und lassen sie sich bequem liefern - ein Umbruch, den Supermärkte und andere Händler besser nicht ignorieren sollten.

Seit Beginn der Corona-Pandemie kaufen Konsumenten immer häufiger ihre Lebensmittel online. Alleine in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und den USA verzeichnet sich dieses Jahr ein Plus von voraussichtlich 350 Millionen Lebensmittelbestellungen im Vergleich zu 2019. Das entspräche einem Umsatz von 36 Milliarden US-Dollar. In Deutschland ist der Marktanteil von online gekauften Lebensmitteln mit 2,9 Prozent noch vergleichsweise niedrig. Zum Vergleich: In Großbritannien stieg der Marktanteil zum Höhepunkt der Krise im April auf 12,4 Prozent, in Frankreich auf 10,2 Prozent.

Boom hält weiter an

Obwohl die Corona-Maßnahmen schon vor einigen Wochen gelockert wurden, bleibt der Trend bestehen. Experten der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company vermuten, dass bis zu 45 Prozent des aktuellen Umsatzplus auf diesem Vertriebsweg bestehen bleiben werden. Darüber hinaus könnte sich der Anteil des Onlineshoppings bis 2025 in manchen Ländern verdoppeln.

Diese neuen Chancen für den E-Commerce bergen allerdings auch Risiken: Ohne die richtigen Gegenstrategien drohen die Gewinnmargen der Unternehmen zu erodieren. „Der lang erwartete Onlineboom stellt für den Lebensmittelhandel allerdings auch ein Risiko dar“, erklärt Miltiadis Athanassiou, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Einzelhandel in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika (EMEA). „Denn die meisten Anbieter erwirtschaften mit den nach Hause gelieferten oder im Geschäft abgeholten Bestellungen deutlich weniger als mit klassischen Verkäufen vor Ort.“ Oft führe jede Kundenorder sogar zu einem Verlust. „Trotzdem sollten die Lebensmittelhändler auf das zukunftsträchtige Onlinegeschäft nicht verzichten“, so Athanassiou weiter. „Wer das tut, vermeidet zwar möglicherweise kurzfristige Gewinnrückgänge, verliert aber langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit.“

Umbruch im Handel darf nicht ignoriert werden

Bain & Company hat in ihrer Studie “How to Ramp Up Online Grocery – without Breaking the Bank” zwei wesentliche Faktoren ermittelt, die den Erfolg des Lebensmittelverkaufs im Netz derzeit beeinflussen. Der erste Faktor ist die Erfahrung der Endkunden. Wenn die Händler die Waren schnell und frisch liefern können, werden viele Verbraucher vermutlich dauerhaft auf Online-Käufe umstellen. Der zweite Aspekt ist das Zurückfahren der Lockdowns. Wenn die Verbraucher durch die Schutzmaßnahmen vom Einkauf in stationären Geschäften abgehalten werden, wird sich der Anteil der Online-Käufer vermutlich weiter erhöhen.

3 Tipps für Händler

Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, sollten Lebensmittelhändler ihren Fokus laut Bain & Company auf drei Handlungsfelder legen:

1. Multikanalmodell optimieren

Branchenvorreiter kombinieren clever Online- und Offlinehandel. Sie setzen verstärkt auf das Darkstore-Modell und geben der automatisierten Produktauswahl sowie -verpackung den Vorzug vor manuellen Tätigkeiten. Zudem errichten sie rasch neue, dezentrale Lieferstationen.

2. Profitable Umsatzquellen erschließen

Lebensmittelhändler und Lieferanten erarbeiten neue Geschäftsstrategien, die beiden langfristig entscheidende Vorteile bringen. Dazu zählen gemeinsam finanzierte Markenaktionen, kostenlose Probeartikel für Kunden, die regelmäßig online einkaufen, sowie ein intensiver Informationsaustausch über deren Konsumgewohnheiten.

3. Subventionierte Verkäufe reduzieren

Der Handel beteiligt die Kunden an den Onlinekosten. Durch eine faire, nachvollziehbare Preiskalkulation lassen sich die operativen Margen je nach Ausgangsposition um bis zu 20 Prozent steigern. Möglich wird dies beispielsweise durch ein kostenloses Mindesteinkaufsvolumen, Rabatte für gewinnstarke Eigenmarken oder höhere Preise für Eillieferungen.

„Die Lebensmittelhändler sollten jetzt die strukturellen Kostenprobleme ihrer Online-Verkaufskanäle konsequent angehen und sich so eine gute Ausgangsposition für diesen rasch wachsenden Markt schaffen“, betont Bain-Partner Athanassiou. „Es gilt einen Weg zu finden, die vielen neuen Internetkäufer durch individuelle Serviceangebote zu überzeugen, zu binden und dabei gleichzeitig das Onlinegeschäft profitabel zu gestalten. Wem dies gelingt, der wird auch in der Nach-Corona-Zeit vom anhaltend hohen Lebensmittelkauf im Web profitieren.“

Die vollständige Pressemitteilung zur Studie gibt es hier.

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Ana Karen Jimenez ist Redakteurin beim Deutschen Coaching Fachverlag und hat ihren Bachelor in Literaturwissenschaften und Spanisch an der Eberhard Karls Universität Tübingen abgeschlossen. Sie ist in den Magazinen für lesenswerte Ratgeber und vielfältige Kundentexte verantwortlich.

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